Wald und Wild in Balance
„Die Jagd ist für mich weit mehr als ein Hobby: Sie ist eine Leidenschaft, die mich mit der Natur verbindet. Gleichzeitig gibt sie mir die Möglichkeit, aktiv Verantwortung zu übernehmen – indem ich einen Beitrag dazu leiste, dass sich Wald und Wild in einem gesunden Gleichgewicht befinden.“ So beschreibt ÖBf-Abschussnehmer Michael Kirnbauer seine Motivation. Seit 2018 hat der im Bereich Ingenieurtiefbau tätige Teambauleiter einen Abschussvertrag für das Jagdrevier Bärengraben der Österreichischen Bundesforste und unterstützt mit großem Engagement die waldbaulichen Ziele des Forstbetriebs. Bereits in seiner Kindheit wurde Michael Kirnbauer von seinem Großvater an die Jagd herangeführt, der ihm die Grundsätze des Weidwerks vermittelte. Als gebürtiges „Landkind“ entwickelte er früh eine tiefe Verbundenheit zur Natur. Heute sieht er die Jagd nicht nur als Ausgleich zu seinem herausfordernden Beruf, sondern schätzt auch das Wildbret als natürliches und regionales Lebensmittel für seine Familie.
Das Jagdrevier Bärengraben in der Nähe von Pinkafeld im Bezirk Oberwart gehört zu einem größeren zusammenhängenden Jagdgebiet. Michael Kirnbauer ist als Abschussnehmer für eine Fläche von insgesamt 140 Hektar zuständig, die sich an der Südseite des Wechselgebietes befindet. In dem sanft hügeligen Gelände, das auf einer Seehöhe von etwa 450 m liegt, kommen Rehwild, Rotwild (Wechselwild) und Schwarzwild vor. Die Waldflächen zeichnen sich durch eine große Baumartenvielfalt aus, darunter Fichte (50 %), Kiefer (25 %), Eiche (12 %), Tanne (5 %) und verschiedene weitere Nadel- und Laubgehölze. Besonders hervorzuheben ist, dass in den vergangenen Jahren gezielt Maßnahmen ergriffen wurden, um den Fichtenanteil zugunsten der Eiche zu reduzieren. Diese Eingriffe sollen dazu beitragen, die Widerstandsfähigkeit der Wälder für die Zukunft zu stärken. Im Wald der Zukunft spielen Eichen eine wichtige Rolle, da sie durch ihr tiefes Wurzelsystem gut gegen längere Trockenperioden und Stürme gewappnet sind.
Einen zukunftsfitten Mischwald, der die Herausforderungen des Klimawandels meistern kann, versteht Michael Kirnbauer als Gemeinschaftsaufgabe von Forst und Jagd. Durch die konsequente Bejagung des Rehwildes hat er maßgeblich dazu beigetragen, dass sich klimafitte Baumarten wie Eiche und Tanne nahezu flächendeckend natürlich verjüngen konnten und sich Wald und Wild in einem ökologischen Gleichgewicht befinden. Dabei zeigt er sich stets offen für verschiedene jagdliche Methoden, um den jeweiligen Herausforderungen flexibel und effektiv zu begegnen. Zudem bringt Michael Kirnbauer durch seine Erfahrung als Jagdleiter eines Gemeindejagdgebiets ein hohes Verständnis für die Herausforderungen der nachhaltigen Wald- und Wildbewirtschaftung mit. Sein jagdliches Engagement ist eng verbunden mit den forstlichen Maßnahmen der Bundesforste, die durch Monitoringzäune den Wildeinfluss laufend überprüfen und mittels Grünäsungsflächen den Äsungsdruck auf die zu verjüngenden Flächen reduzieren.
Die Zusammenarbeit zwischen den Bundesforsten und Michael Kirnbauer ist von einem partnerschaftlichen Umgang und einer klaren Zielorientierung geprägt. Regelmäßige Jagdkundentage sowie Besprechungen und Ortsbegehungen bieten Raum für den Austausch von Erfahrungen und die gemeinsame Planung der nächsten Schritte. So gelingt es, im Revier gemeinsam die optimalen Voraussetzungen für einen Umbau hin zu einem klimafitten Wald zu schaffen.
Am Beispiel des Jagdreviers Bärengraben zeigt sich, wie eng der Erfolg von Waldumbauprojekten mit einer angepassten Wildbewirtschaftung verknüpft ist: Die Naturverjüngung von Mischbaumarten setzt eine natürliche Balance zwischen Wald und Wild voraus. Somit hängt die Zukunft unserer Wälder entscheidend davon ab, dass Forst- und Jagdwirtschaft Hand in Hand arbeiten – zum Wohle von Wald, Wild und den kommenden Generationen.